Fr, 17.06. 08:15 – Parkplatz des XXXLutz Möbelhaus Wien 3
Klingt nach einem eigenartigen Platz zum Starten, aber für das Verladen eines Mountainbikes braucht es nun mal Platz und ein paar Minuten Zeit. Auch wenn es sich um einen Fenstertag handelt, gar nicht so einfach inmitten von Wien, deshalb wurde dies unser Treffpunkt. Wir – das bin ich Fabi, und ein Arbeitskollege. Mein Bike wartet bereits startklar am Fahrradträger auf dem Dach meines Autos. Nach ein paar schnellen Handgriffen landet auch das Bike meines Kollegen samt abmontierten Vorderreifen im Kofferraum und ab geht die Reise.

Erlebnis Arena St. Corona
Dank dem Zwickeltag ist weder auf A2 noch auf der A23 viel Verkehr und so sind wir nach einer entspannten Fahrt von einer Stunde am Parkplatz der Erlebnisarena Sankt Corona am Wechsel angekommen. Hier herrscht auch schon reges Treiben, Bikes werden von Heckträgern, Ladeflächen und aus Kofferräumen gehievt, Ketten geschmiert und Reifen aufgepumpt. Als Biker fühlt man sich da irgendwie angekommen. Über den Holzsteg sind wir auch schnell an der Kasse angekommen und bezahlen jeweils die 9€ für die Trailnutzung. Den Bikelift sparen wir uns, heute wollen wir ja schließlich hoch hinaus. Bevor es losgeht gibt es noch ein kleines Frühstück, während einige Kids im Mini Bikepark über Holzrampen düsen und Downhiller ihre Full Face Helmets aufziehen um dann in voller Montur zum Lift zu rollen.
Uphill Flowtrail
Gut gestärkt starten nun auch wir, durch das Drehkreuz und hinein in den Uphill-Flowtrail (Nr.5). Dieser führt uns zuerst durch den Bikepark, vorbei am oberen Ende des Bikelifts und am Speicherteich, bis hin zur Almrauschhütte. Wir brauchen für die 4km und 350hm hierher heute gut 45min, und stehen somit auch schon am höchsten Ziel für viele Bikepark-Fahrer.
Panorama Trails
Für uns gehts aber heute hoch hinaus, uns erwartet jetzt der erste der „Panorama-Trails“, Trail Nr.8 hinauf zur Kampsteiner Schwaig. Wir fahren viel durch den Wald, der Trail ist echt spaßig und wir halten unser gutes Tempo – überholt werden wir nämlich nur von E-Bikes. Am Ende des Weges wird dieser auch noch seiner Einstufung als Panorama Trail gerecht, der Wald macht einer Almwiese Platz und gibt uns den Blick frei auf die hohe Wand.
Weiter geht’s für uns auf meinen sehr gemochten Trail Nr.9, was wohl einerseits an den kurzen Zwischenabfahrten aber andererseits auch an dem tollen Weitblick, hier zeigen sich zum ersten Mal Schneeberg und Rax, den der Weg bietet, liegen mag. Wir sind hier schon weit entfernt vom regen Treiben im Bikepark und kommen immer mehr ins Flair der Berge, wozu sicherlich auch die vielen Kühe die hier oben weiden beitragen.

Wir treten hoch zur Feistritzer Schwaig (hierzu später mehr) und werden erstmal von einer Kuhherde an unserer Weiterfahrt (nun Trail Nr.10) gehindert. Selbstbewusst aber respektvoll bahnen wir uns den Weg durch die Wegelagerer, die muhend und mal mehr mal weniger bereitwillig den Platz freimachen. Eines steht fest, wer auf den Gipfel will, sollte keine zu große Angst vor Weidevieh haben. Der Weg belohnt uns anfangs mit toller Aussicht zum Etappenziel, dem Hochwechsel, und verläuft dann unspektakulär im Wald weiter, wo er dann zur Finalen Etappe (Nr.22) übergeht.

Wir haben die Weggabelung noch für eine schnelle Stärkung genutzt und noch einen Biker getroffen. Der hat uns nochmal ein ganz schönes Tempo vorgegeben, aber abreißen wollten wir auch nicht und so sind wir in Windeseile auch das letzte Stück „hinaufgezogen“ worden. Und eines vorweg – dieser Weg ist ein richtiges Highlight. Man ist schnell aus dem Wald draußen und tauscht damit die bislang überwiegenden Forstwege gegen Trampelpfade auf einer Almwiese. War bislang das Hochtreten sehr einfach, tauchen hier die ersten Steine auf und man muss seine Linie etwas überlegter wählen. Alles nach wie vor nicht sehr schwierig, aber macht definitiv Spaß. Und so stehen wir dann – nach ca. 2 1/2 Stunden Fahrzeit und 900hm – am Gipfel des Hochwechsels auf 1743m. Das Panorama können wir nicht ganz so gut genießen, zu stark geht hier der kühle Wind, also gibt’s nur ein schnelles Belohnungsbier im Wetterkoglerhaus.

The WU-Trail
Und damit beginnt auch schon der spaßige Teil unserer Reise – es geht bergab. Und zwar über den WU-Trail. Der grüßt einen gleich mit seinem großen Holzschild, welches den Start markiert. Die Wexl Trails bezeichnen diesen selber als ihr Aushängeschild und ich muss zugeben, der Trail sucht zumindest in Niederösterreich seines Gleichen. Man startet direkt am Gipfel, wo man das gesamte Wechselland bis hin zu Schneeberg, Rax und der hohen Wand im Blick hat und fährt dann über Stock und Stein die Almwiese hinab. So nahe bei Wien findet man wohl nicht so schnell ein ähnlich alpines Flair zum Mountainbiken. Der Weg bergauf hat sich also allemal gelohnt. Wir schmeißen uns also in die Anlegerkurven, nehmen die Sprünge die wir uns zutrauen mit, passieren ein weiteres Mal eine Kuh die den Trail als Liegeplatz nutzt und kommen so, nach einer spaßigen Abfahrt, an der Marienseer Schwaig an.

Feistritzer Schwaig
Nach ein paar Gegenanstiegen und einer langen, aber flotten Abfahrt landen wir wieder bei der Feistritzer Schwaig. Im Gegensatz zum Wetterkoglerhaus (windig & ich fand’s nicht allzu einladend/gemütlich) kann ich hier nur eine kurze Einkehr empfehlen. Die Portionen machen auch die Hungrigsten satt und das Preis-Leistungsverhältnis ist top. Als Zusatz genießt man noch einen tollen Ausblick auf den soeben bewältigten Gipfel des Hochwechsels.
Weitere Abfahrt & Bikepark
Die Abfahrt führt bis etwas über der Almrauschhütte entlang dem Aufstiegsweg, es gibt immer wieder Gegenanstiege aber im Großen und Ganzen kommt man flott voran. Hier zweigt dann der Almrauschtrail (Nr.8a) ab – nach einem kurzen aber steilen Gegenanstieg – welcher sozusagen der Anfang der richtigen Trails des Bikeparks. Ab der Almrauschhütte kann man den Singletrail nutzen und wir sind dann beim Speicherteich in den Flowtrail eingebogen. So hatten wir nochmals großen Spaß in den flowigen Kurven und konnten uns bei den kleineren Sprüngen austoben. Es stehen natürlich alle weiteren Lines des Parks zur Verfügung, sodass jeder voll auf seine Kosten kommt. Die Lines bilden also nochmal ein tolles Finale für eine grandiose Radtour.
Die Tour im Detail
https://www.komoot.de/tour/834446154
Zusammenfassung & Facts
Distanz: 36km ↔
Höhendifferenz: 1200hm ↕
Zeit: ca. 4h Fahrzeit
Ausganspunkt: Erlebnisarena St. Corona am Wechsel
Technik: ★★★☆☆
Kondition: ★★★★☆
Gesamtbewertung: ★★★★★
Anspruchsvolle aber empfehlenswerte Tour. Belohnt mit grandiosem Ausblick und tollen Abfahrten über die Trails. Einkehrmöglichkeiten am Weg mit Empfehlung der Feistritzer Schwaig.

