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Persönlicher Blog

Wir kraxeln nach Slowenien: Der Hochstuhl (2.237m)

Hoch hinaus: ein grenzüber-schreitender Klettersteig in den Karawanken

09.07.2022 Bärental – Kärnten
Samstag, Punkt 9 Uhr – mit gut bepackten Rucksäcken verlassen wir den Parkplatz Johannsenruhe im Bärental. Den Namen hat dieses Tal nicht umsonst, da hier früher tatsächlich Bären beheimatet waren, und es diese auch heute noch gibt. Die Tiere sind allerdings äußerst scheu und lassen sich nicht gerne blicken, also Angst vor einer Begegnung brauchen wir keine zu haben. Und schließlich sind wir nicht für die Bären, sondern für den Berg hier: den Hochstuhl. Die Nordwand des Hochstuhls erhebt sich imposant über dem Tal und der Gipfel bildet mit seinen 2.237m den höchsten Punkt der Karawanken. Da die Staatsgrenze direkt dem Grat folgt, hat der Berg auch noch einen zweiten Namen: auf slowenisch wird er „Stol“ genannt.

Der Zustieg
Wir folgen erstmal dem Forstweg ein Stück, welcher sich immer wieder in kurzen Abschnitten mit einem Wanderweg abwechselt. So wandern wir ein paar Serpentinen entlang und gehen Teile der alten Straße ab, die von der Natur überwuchert und vereinnahmt werden. Wir gelangen zu einem kleinen Bankerl und zwei Wegweisern, da sich hier der Weg gabelt: der eine führt weiter weiter zur Klagenfurter Hütte, der andere, unser heutiger Pfad, führt zum Einstieg des Klettersteigs.

Die Nordwand des Hochstuhls thront über dem Bärental. Über das Schotterfeld führt der Zustieg zum Klettersteig.

Wir begeben uns auf das Schotterfeld und queren Richtung Einstieg. Der bewaldete Felsrücken, über den der Steig startet, ist schon gut sichtbar und man erkennt auch schon einige, die sich im Steig hinaufarbeiten. Wir legen nach gut einer Stunde Zustieg unsere Klettergurte an und binden unsere Klettersteigsets ein. Rucksäcke zu, Helme auf, Handschuhe an, Partnercheck und ab geht’s.

Der Klettersteig
Der Steig beginnt recht knackig – es geht hier über Stahlsprossen steil nach oben. Hinzu kommt, dass das Schotterfeld unter dem Steig weiter abfällt, wodurch man sehr rasch in luftige Höhen gelangt. Zudem wartet der Steig sehr früh mit seiner Schlüsselstelle auf – bewertet ist die Tour mit B/C. Es werden somit zwar keine hohen technischen Ansprüche gestellt, allerdings sollte man die Länge, über stolze 550hm erstreckt sich der Steig, nicht unterschätzen.

erstes Bild: nach dem Einstieg wird’s schnell luftig.
zweites Bild: nach der Rinne folgt das erste Stück Gehgelände mit einem Bänkchen zur Rastmöglichkeit

Der Klettersteig macht von anfangs an echt Spaß und schnell sind wir auch im Rhythmus – man hört das vertraute Klicken beim Umhängen und das Entlangratschen der Karabiner am Stahlseil. Nach der Schlüsselstelle queren wir eine Platte, wo wir abwechselnd über natürliche Tritte und Stahlstufen steigen und gelangen schließlich über eine Rinne auf das erste Stück Gehgelände. Hier gönnen wir uns eine kurze Pause und einen ersten Snack. Auch wenn wir einen eher kühleren Tag erwischt haben, wollen wir hydriert und gestärkt bleiben, denn die Tour ist noch lange.

Im weiteren Abschnitt wechseln sich Gehpassagen immer wieder mit kürzeren versicherten Stücken ab. Mal wandern wir im Grünen, mal queren wir den Hang und mal arbeiten wir uns eine steile Rinne nach oben. Die Landschaft beginnt sich zu wandeln: Bäume, die anfangs ringsum den Klettersteig stehen, werden nach und nach von Latschen verdrängt. Die Klagenfurter Hütte, welche weit hinten im Bärental steht, lässt sich immer wieder blicken, mit dem Kosiak (2.024m) hinter ihr. Auf der anderen Seite sieht man nun weit ins Klagenfurter Becken bis auf den Feistritzer Stausee. Und so taucht man Schritt für Schritt, Meter für Meter, die man sich hinaufarbeitet immer mehr ein in diese herrliche Bergkulisse. Und nicht nur physisch, sondern auch mental – zwischen den Gipfeln und der weitläufigen Landschaft wird man selbst immer kleiner, und damit auch die Sorgen und der Stress des Alltags. Platz hat im Kopf nur noch das fokussierte Steigen, abgewechselt mit staunenden Blicken ins Weite.

Zu lange ist der Steig, als dass ich eine detaillierte Beschreibung wiedergeben könnte. Die schwierigeren Stellen waren gleich zu Beginn, nun geht es durch viel Gehgelände, welches sich mit kurzen versicherten Abschnitten und Passagen im Freien Gelände (1-) abwechseln. Es gibt immer wieder einige ausgesetzte Stellen, beispielsweise der Weg durch eine Scharte, an der links und rechts Rinnen ins Tal hinabführen, oder ein kleiner Abstieg. Über einen kleinen Grat, an dem die „Kraxl“-Passagen wieder versichert sind, gelangt man so in eine alpine, schroffe Landschaft, in der nun auch die Latschen verschwinden und stattdessen Felsen und Grasflecken überwiegen.

Der Blick zurück – auf der anderen Talseite der Kosiak, im Hintergrund das Klagenfurter Becken.

Am oberen Ende des Steiges tragen wir uns ins Steigbuch ein und verlassen diesen über eine versicherte Rinne. Die Wanderstecken werden wieder aus dem Rucksack geholt und es beginnt ein in Serpentinen, durch ein Schotterfeld führender Weg. Hier sei vermerkt, dass der Weg nicht immer klar zu erkennen ist und man sich das Leben unnötig schwer machen kann, wenn man diesem nicht aufmerksam folgt. Also lieber zweimal schauen, wo man entlanggeht. Schließlich gelangen auf den Gipfelgrat – damit queren wir die Landesgrenze und legen die letzten Höhenmeter in Slowenien zurück.

Der Gipfel
Nach insgesamt dreieinhalb Stunden kommen wir überglücklich – und äußerst hungrig – am umgefallenen Gipfelkreuz an. Der Blick zurück ist atemberaubend, man sieht die steil abfallenden Nordwände Richtung Bärental, die grasbewachsenen Südhänge nach Slowenien während im Hintergrund der höchste Berg Sloweniens, der Triglav (2.864m) emporragt. Wir machen es uns in dieser Kulisse bequem, die Felsen am Gipfel eignen sich optimal als Sitzgelegenheit mit Lehne – vielleicht daher der Name „Hochstuhl“ – und genießen unser verdientes Mittagessen mit Ausblick auf den Bleder See und seiner, auf einer Insel stehenden, berühmten Kirche.

Gipfelabstieg auf Slowenischer Seite – eine Schafsherde grast, im Hintergrund die östlichen Karawanken

Der Abstieg
Unmittelbar nach dem Gipfel werden wir noch von einer grasenden Schafsherde mit aufgeweckten „MÄH“ Lauten begrüßt, bevor wir in einen Talkessen absteigen. Leider hält sich hier die Wanderlust in Grenzen, der Weg ist steil und geröllig, daher kommen wir erstmals nur langsam voran. Eine slowenische Familie läuft vor uns über das Schotterfeld ab, so flott werden wir wohl nicht unten ankommen.

Nach dem mühseligen ersten Abstieg (wir haben hierfür eine dreiviertel Stunde gebraucht) flacht der Weg wieder ab und führt uns durch den Talkessel. Dieser erstreckt sich recht weit bis wir dann schließlich einen Südhang queren, wo wir noch einen letzten Blick zurück auf den Gipfel des Hochstuhls werfen. Dann steigen wir auf zur sogenannten „Gamsgrube“, wobei es hier für ein kurzes Stück unsere Hände als Unterstützung braucht – eine willkommene Abwechslung zum Abstieg. Auch die Gamsgrube selbst stellt noch ein abschließendes Highlight da – wir wandern durch sanfte Hänge die von einem bunten Blumenmeer bevölkert werden.

Klagenfurter Hütte
Nach der Gamsgrube queren wir zum zweiten mal die Staatsgrenze und folgen dem Weg zurück ins Bärental und Richtung Klagenfurter Hütte. Auch hier ist nochmals viel Schutt auf unserem Wanderweg, allerdings kein Vergleich mehr zu den Strapazen im Talkessel zuvor. Die Klagenfurter Hütte empfiehlt sich für eine Einkehr, wobei wir heute darauf verzichten. Besucht haben wir diese schon im vorigen Herbst wo wir bei eisigen Temperaturen und dem ersten Schnee im Oktober zum Aufwärmen eingekehrt sind.

Von hier steht noch ca. eine Stunde Rückweg bis zum Parkplatz an, wobei dieser angenehm auf der Forststraße verläuft. Immer wieder blicken wir dabei auf den Felsrücken zurück, der uns heute auf den Gipfel geführt hat, bis wir schließlich, gut erschöpft und stolz auf unsere heutige Tour, das Bärental verlassen.

Die Tour im Überblick

BergHochstuhl
Distanz ↔14 km
Höhendifferenz ↕1.130m
Zeit7:00 h (inklusive aller Pausen)
KlettersteigSchwierigkeit B/C
Höhe 550m
BewertungTechnik: ★★★☆☆
Kondition: ★★★★★
Gesamtbewertung: ★★★★☆
Link zur Topohttps://www.bergsteigen.com/touren/klettersteig/hochstuhl-klettersteig/

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