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Persönlicher Blog

Gämsen und Edelweiß vor den Toren Wiens: die Rax-Alpe (2.007m)

  1. Die Wiener Hausberge
  2. Die Anreise zur Rax
  3. Der Schlangenweg
  4. Rax-Plateau und das Karl-Ludwig-Haus
  5. Die Heukuppe
  6. Alpine Begegnungen im Abstieg
  7. Tour Zusammenfassung

Die Wiener Hausberge

Schneeberg, Rax-Alpe und Hohe Wand – diese drei sind wohl jedermann ein Begriff, bilden diese doch die sogenannten Wiener Hausberge. Und dennoch hat es für mich ganze 5 Jahre gedauert, die ich schon als Student in Wien verbracht habe, bis ich auf allen drei einmal oben gestanden bin. Dafür hatte ich 2021 dann auch alle drei in einem Jahr beisammen: Im Frühjahr die Hohe Wand über die „Völlerin„, im Sommer der Schneeberg mit Klosterwappen und Kaiserstein und im Herbst stand ich schließlich noch auf der Heukuppe, also der höchsten Erhebung der Rax.

Ein Sprung nach vorne ins hier und jetzt: In Wien steht ein heißer Sonntag an, weshalb für uns klar ist: raus aus der Hitze solls gehen und am besten suchen wir Abkühlung in der Höhe. Die Entscheidung fällt uns diesmal relativ leicht – wir wollen rauf, aufs Plateau der Rax-Alpe.

Der westliche Teil des Raxplateaus – mit Habsburgerhaus und Predigtstuhl

Die Anreise zur Rax

So packen wir Sonntag morgens unsere Rucksäcke, schmieren uns noch gute Jausen-Weckerl, laden die Wanderschuhe ins Auto und nehmen die Tangente Richtung Süden. Nach keinen fünfzehn Minuten Fahrzeit gibt es auch schon den ersten alpinen Gruß, der Schneeberg zeigt sich schon am Horizont, und wir wissen, für heute die richtige Entscheidung getroffen zu haben

Die A23 geht in die A2 über und wir verlassen die urbane Umgebung für eine hügelige Landschaft am Wiener Speckgürtel, bis auch die Hügel immer höher werden und wir die Wiener Alpen vor uns haben. Bei Gloggnitz fahren wir schließlich ab und durchqueren die „Sommerfrische“ – Reichenau an der Rax. Vor uns erhebt sich auch schon besagter Berg und wir können die Bergstation der Rax-Seilbahn erblicken, welche 1926 als erste Personenseilbahn der Republik Österreich in Betrieb genommen wurde.

Wir wollen den Anstieg allerdings zu Fuß zurücklegen und biegen daher links ab und verlassen Reichenau an der Rax wieder. Die Straße wird schmaler und führt uns nun in Serpentinen nach oben, bis wir, nach insgesamt eineinhalb Stunden Fahrzeit, auf dem gut gefüllten Parkplatz bei der Preiner Gscheid (1.070m) ankommen. Ein Tipp: Früh Anreisen, da an Sommertagen dieser schnell vollgeparkt ist. Gilt übrigens auch für Wintertage – hier hat man zwar freie Wahl was den Stellplatz angeht, sollte aber bei der Tourenplanung den frühen Sonnenuntergang mit einrechnen.

Der Schlangenweg unterhalb des Predigtstuhls. Im Hintergrund lugt die Preiner Wand hervor.

Der Schlangenweg

Wir stellen den Wagen ab und starten los. Der Weg, bekannt als „Schlangenweg“, führt von der Preiner Gscheid durch den Siebenbrunnenkessel bis zum Karl-Ludwig-Haus auf 1.804m. Wie bereits erwähnt, waren wir im Herbst letzten Jahres schon einmal hier und wollen heute dieselbe Tour wiederholen. Damals sind wir bei ersten Schneefall im November hier raufgegangen, heute starten wir bei sommerlichen 26°C am Parkplatz.

Siebenbrunnenkessel und Predigtstuhl (1.902m)

Der Beginn des Weges verläuft kurz durch den Wald, aber schon nach 1,5km tritt man auf eine große Wiese, von der aus man den Siebenbrunnenkessel und die dahinter aufragenden Felswände des Predigtstuhls sieht. Hier könnte man rechts zum Waxriegelhaus abzweigen, wir folgen aber weiter dem Weg, der nach der Querung der Wiese nun auch seinem Namen gerecht wird und sich in Serpentinen, zwischen Karlgraben zur linken und den Wänden des Predigtstuhls zur rechten, nach oben schlängelt. Der Wanderweg selbst ist recht breit und gut ausgebaut, weshalb wir hier problemlos und zügig vorankommen.

Und so legen wir Serpentine nach Serpentine zurück und schrauben uns immer höher hinauf. Der Blick ins Tal wird immer weiter, erst zeigen sich die Pisten des Semmerings als waldfreie Schneisen, dann blickt auch die Preinerwand hervor. Diese ist seit jeher wichtiger Bestandteil der Kletterszene rund um Wien. So gehört der Drei-Enzian-Steig heute zu den Klassikern und bildete beispielsweise eine der Lieblingsklettertouren von Viktor Frankl. Heute zieht die Wand neben Kletterern auch durch den Hans-von-Haid-Steig Klettersteiggeher an, die an dieser Via Ferrata (Schwierigkeit D und 1-) ein anspruchsvolles und alpines Abenteuer geboten bekommen.

Rax-Plateau und das Karl-Ludwig-Haus

Wir bleiben heute aber auf den Wanderwegen und befinden uns nach 1:20h Gehzeit auch schon auf den letzten Metern vor dem Karl-Ludwig-Haus.

Das Karl-Ludwig-Haus bei Sommer und Winter

Dieses bildet eine von vielen Schutzhütten auf dem Plateau, wir werden aber später nochmal darauf zurück kommen. Und apropos Plateau – hier oben wandelt sich die Landschaft nochmal sehr stark, sanfte und saftig grüne Wiesen, in welchen farbprächtige Blumen blühen wechseln sich mit dunkelgrünen Latschen ab. An den Seiten trennen steilabfallende Felswände die Ebene vom Tal ab – durch diesen Kontrast hat man das Gefühl hier heroben in eine eigene Welt gewandert zu sein.

Wir setzten unsere Reise fort, mit dem Ziel der Heukuppe – welche mit 2.007m den höchsten Punkt der Rax bildet. Der Weg wird zwar schmäler, bleibt allerdings nach wie vor gut begehbar und führt uns so an das Südwest Ende der Rax-Alpe. Wir beobachten einige Trailrunner, ein paar, die mit schnellen Schritten an uns vorbeilaufen und andere, die gerade vom Gipfelgrat herunterkommen. Wir schreiten weiter durch Schotter und einige Felsen, zwischen Latschen und Blumen.

Die Heukuppe

An einer Weggabelung markieren uns Stangen den restlichen Anstieg zum Gipfel und nach wenigen Metern zeigt sich auch schon die Heukuppe mit dem auf ihr errichteten Denkmal. Für den Anstieg bis ganz nach oben brauchen wir heute 1h und 50min.

Oben angekommen machen wir es uns erstmal gemütlich. Wir setzen uns ins Gras, packen die Jause aus und bestaunen die Gipfel, die sich gegen Westen hin erstrecken. So blickt man ins Grazer Bergland, wo der Hochlantsch markant hervorsticht, auf den Hochschwab und bis tief hinein in die Alpen – ganz weit hinten, nur noch schemenhaft erkennbar, zeigt sich sogar der Dachstein. Wir fühlen uns angekommen in dieser Kulisse und legen uns nachher noch ins weiche Gras. Und obwohl an diesem Tag doch einige Leute unterwegs sind, haben wir das besondere Glück ganz allein hier heroben zu sein. Der Gipfel gehört in diesem Moment nur uns, ungestört lauschen wir dem Wind und den Insekten die umherschwirren, lassen uns von der Sonne wärmen und schließen für ein paar Minuten die Augen.

Alpine Begegnungen im Abstieg

Nach der ausgedehnten Pause machen wir uns gemütlich an den Abstieg zurück zum Karl-Ludwig-Haus, wobei dieser für uns noch ganz schön was zu bieten hatte. Nach nur wenigen Minuten blicke ich entlang des Bodens und erspähe die behaarten weißen Blätter eines Edelweiß. Für mich das erste, das ich in der freien Natur zu Gesicht bekomme. Nach kurzem Staunen und einem schnellen Foto setzen wir den Abstieg fort.

Ganz am Südabhang der Rax, Richtung Kirchlein, treten wir vom Pfad noch ein paar Schritte weg, um dort ins Tal zu schauen. Und wies der Zufall will, hält die Rax dort unser nächstes alpines Highlight bereit. Zwei Gämsen grasen gerade die Grasbüschel ab, die zwischen Schutt und Steinen wachsen. Wir nehmen auf den Felsen Platz und beobachten die beiden in Stille, wie sie sich geschickt nach oben arbeiten und nach ein paar Minuten hinter dem Grat wieder verschwinden.

Und so setzen wir unseren Abstieg fort, besuchen kurz das Rax-Kirchlein und setzten uns zum Abschluss noch auf das Karl-Ludwig-Haus. Wir genießen hier einen wohl verdienten Kaiserschmarren, wobei auch der Rest der Speisekarte für eine Einkehr sehr empfehlenswert klingt. Danach verlassen wir die alpine Welt des Rax-Plateaus, wie wir gekommen sind, über den Schlangenwelt und freuen uns schon jetzt auf das nächste Wiedersehen.

Tour Zusammenfassung

BergRax-Alpe
GipfelHeukuppe (2.007m)
Distanz ↔10 km
Höhendifferenz ↕920 hm
Zeit3:00 h (reine Gehzeit,
ohne Pausen)
BewertungTechnik: ★★☆☆☆
Kondition: ★★★☆☆
Gesamtbewertung: ★★★★★
Link zur TourBergfex (bis Karl-Ludwig-Haus)
EinkehrmöglichkeitKarl-Ludwig-Haus

Ergänzung: Sofern es die Schneeverhältnisse zulassen, ist dieser Weg auch zum Winterwandern geeignet. Man sollte hier aber mehr Zeit einplanen und rechtzeitig losstarten um die kürzeren Tage auszugleichen. Auch als Skitour mit Abfahrt über den Karlgraben möglich, wobei diese noch auf meiner Bucket-Liste steht und ich diese daher noch nicht bewerten kann.

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