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Durch die Himmelspforte ins Zentrum des Salzkammerguts: Der Schafberg (1.782m)

Jeder der schon einmal über die A1 im Salzkammergut gefahren ist, wird wohl auch schon den Schafberg bestaunt haben. Denn dieser ragt mit seiner steil abfallenden Nordseite, schon von der Autobahn aus gut sichtbar, über dem Mondsee hervor. Und obwohl es sein Gipfel nicht einmal auf 1.800m bringt, zählt er, zumindest für mich, definitiv zu den imposantesten und eindrucksvollsten Bergen in dieser Region. Die Nordseite des Schafbergs leistet sicher ihren Beitrag dazu, aber auch der Fakt, dass der Berg an fast allen Seiten von Seen – Wolfgangsee, Mondsee, Attersee – umgeben ist, lässt ihn umso dominanter wirken.

Wir haben September 2021 und ich bin gerade voll in meinem „Höhenangst-Überwindungsprogramm“. Das heißt also Stück für Stück steigern, um so meine Toleranz immer weiter nach oben zu verschieben. Und hier passt uns der Weg über die Himmelspforte gut ins Konzept. Wobei Weg fast ein Understatement ist, wird dieser doch als „Alpiner Steig“ ausgeschildert, der entsprechend Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordert. Aber starten wir erstmal am Anfang:

St. Wolfgang am Wolfgangsee

Zwischen Schafberg und dem türkisblauen Wasser des Wolfgangsees – und nur über eine Straße im Osten erreichbar – liegt St. Wolfgang. Malerisch wirkt der Ort, dessen bekanntestes Fotomotiv wohl der weiße Kirchturm neben dem „Weissen Rössl“ ist, im Vordergrund der blaue See, im Hintergrund die grünen Berge. Bei der Anreise schlängeln wir uns also mit dem Auto durch die kleinen Straßen, durchqueren den Ortskern, und biegen neben der Seepromenade nach rechts ab, wo wir in der Nähe der Talstation der Zahnradbahn, das Auto am Parkplatz abstellen. Wir fahren die Teleskopstöcke aus, ziehen die Wanderschuhe an und schnallen die Rucksäcke um.

So starten wir zuerst entlang der asphaltierten Straßen im Ort Richtung Dittelbach und dessen Tal. Es ist ein kühler Septembermorgen und wir sind relativ zeitig wegmarschiert. So glänzen die Wiesen noch durch den Morgentau und wir sind ziemlich allein unterwegs. Nach und nach wird die Straße schmäler, bis sie schließlich, nach einem letzten Blick auf den Wolfgangsee, in einen Forstweg übergeht. Die ersten vier Kilometer gehen sie zügig, aber unspektakulär dahin, bis auch der Forstweg endet und wir einem Pfad folgen. Nach einem kurzen aber steilen Anstieg kommen wir so zum Mönichsee, dem ersten von insgesamt drei Bergseen auf unserer heutigen Route.

Der Himmelspfortenweg – entlang dreier Bergseen

Hier ist auch der erste Punkt, an dem der Wald etwas dünner wird und so die Aussicht freigibt. Wir sind bislang 1:45h unterwegs und nutzen diese Gelegenheit für unser Frühstück. Von hier aus könnten man auch den direkten Aufstieg über den Purtschellersteig folgen, wir setzen aber unseren geplanten Weg fort, welcher ab hier als „Himmelspfortenweg“ ausgeschildert wird und uns weiter in Richtung der Nordseite des Schafberges führt. Mittlerweile sind auch andere Wanderer unterwegs und auch einige Trailrunner überholen uns am Weg nach oben.

Gleich nach dem Mönichsee führt uns der Weg steil über ein Schotterfeld nach oben, direkt neben uns ragen die Felswände des Törlspitz, einem Nebengipfel des Schafbergs, empor. Man gelangt auf eine kleine Scharte, von wo aus man schon den zweiten Bergsee auf unserer Tour erkennt – den Mittersee. Hier gibt es einen Abstieg über einige Höhenmeter, und wir nehmen uns die Zeit um bis ans Wasser heranzutreten. Der See wird umrahmt von steilen Feslwänden. Im Wasser selbst treiben und schwimmen einige Lurche umher.

Der Weg führt weiter bis zum Suissensee, dem dritten und kleinsten Bergsee unserer Tour. Dabei geht es über einige Gegenanstiege rauf und runter, ohne wirklich absolute Höhenmeter zu machen. Auch das Gelände verändert sich hier nur wenig, es bleibt viel Vegetation und Wald. Links vom Weg ragen die Felsen der Schafberg Nordseite immer höher nach oben. Wiederholt belohnt zwischendurch eine Aussicht nach Norden, zuerst über den Attersee mit dem Höllengebirge und danach über den Mondsee.

Nach dem Suissensee steigt man einige Höhenmeter auf, wo ein kleines Hüttchen steht. Hierher führt auch von Norden ein Wanderweg, welcher in den Himmelspfortenweg einmündet. Hier ist nochmal ein Warnschild angebracht, dass der weitere Weg als Alpiner Steig weiterführt.

Der Steig zur Himmelspforte

Nach den ersten Höhenmetern, auf welchen uns die zuvor angesprochenen Trailrunnern wieder auf ihrem Weg nach unten entgegenkommen, quert man direkt unter der 200m hohen Nordwand des Schafberges. Man bleibt die ganze Zeit im Schatten, und auch der Fels selbst strahlt förmlich Kälte aus. Die Vegetation wird spärlicher, links und rechts vom Weg bleiben nur noch Wiesen, die von Latschen und einzelnen, verstreuten Bäumchen bewachsen sind. Das Gelände wird immer abschüssiger, bis man sich schließlich in Serpentinen nach oben arbeitet.

Der Weg ist an dieser Stelle definitiv anspruchsvoller, wobei an den schwierigeren Passagen Drahtseile als Hilfe angebracht sind. Und auch wenn der Steig bei uns nur mäßig besucht war, sollte man achtsam bleiben, da der Weg hauptsächlich aus Schotter besteht und Steinschlag nicht auszuschließen ist – was wir selbst beobachten konnten, als ein losgetretener Stein bei uns vorbeigeflogen kam. Der Weg belohnt dafür mit einer grandiosen Aussicht auf den Mondsee. Man sieht auch zu dessen Linken die berüchtigte Drachenwand aufragen. Und um nochmals auf meine eingangs beschriebene Höhenangst zu kommen: ausgesetzte Stellen wechseln sich gut mit einigen größeren Grasebenen ab, ich bin also außerhalb meiner Komfort Zone, aber dennoch weit weg von Überforderung. Also genau so wie es sein soll. Nach einigen Serpentinen folgen nochmals versicherte Stücke, bis man über eine in den Fels gehauene Treppe steigt, von der aus das Gipfelkreuz bereits sichtbar ist.

Die Himmelspforte – ein Portal in eine andere Welt

Beflügelt von dem Ziel vor unseren Augen sausen wir die letzten Tritte hinauf und wandern so durch die Himmelspforte auf die Südseite des Berges. Und diese Pforte befördert uns in zweierlei Hinsicht in eine neue Welt. Erstens durch die grandiose Aussicht: vom Norden her kommend tauschen wir die steile, kühle Felswand gegen sonnige Almwiesen, und einen Ausblick ins eher flache Land gegen einen über die Seen des Salzkammerguts hinweg bis tief in die Alpen hinein. Zweitens spürt man hier deutlich, dass der Berg auch über die Zahnradbahn erschlossen ist. Zählten wir uns auf der Nordseite im Vergleich zu den anderen Wanderern und Trailrunnern eher als die Bergneulinge, so kommen uns hier nun Menschen in Jeans oder durchgestylten Sommer Outfits entgegen. Es herrscht ein reges Treiben und ein großer Ansturm auf ein Foto bei Gipfelkreuz und Himmelspforte. Zugegeben, auch wir holen uns jeweils schnell eines ab, wobei letzteres direkt beim Durchmarschieren erfolgt ist, und gelangen über den Gipfelweg zur Himmelspfortenhütte, welche wir für eine Einkehr nutzen.

Die Südseite und der Abstieg

Wir verweilen noch kurz am Gipfel und genießen die Aussicht, die sich übers gesamte Salzkammergut erstreckt. Anschließend machen wir uns an den Abstieg. Für diesen könnte man auch die Zahnradbahn benutzen, welche ja an sich auch eine Attraktion darstellt.

Der Blick vom Gipfel nach Nordwesten – auf der Gegenseite erhebt sich das Zwölferhorn – hinter St.Gilgen am Wolfgangsee zeigt sich auch der Fuschlsee mit dem Schober.

An der Südseite gehts neben der Zahnradbahn bergab. Dabei hat man die ganze Zeit den Wolfgangsee im Blick, dahinter die Bleckwand, Katrin und im Hintergrund grüßt der Dachstein.

Unser Weg folgt der Bahntrasse und quert diese an einigen Stellen. Bis zum Aignerriegel steigt man so durch grüne Almwiesen und vorbei an der Schafbergalm und der Naturfreundehütte ab, bis sich schließlich der Weg teilt: einmal Richtung St. Gilgen und einmal Richtung St. Wolfgang. Von nun an verläuft der Weg nur noch durch den Wald und zieht sich eine gefühlte Ewigkeit bis man schließlich wieder die Schienen der Zahnradbahn erblickt und in St. Wolfgang ankommt. Wir haben für den gesamten Abstieg zweieinhalb Stunden gebraucht. Beim nächsten Mal würden wir hierfür wohl die Zahnradbahn nehmen bzw. bei der Mittelstation zusteigen.

Die Tour im Überblick
BergSchafberg
WegHimmelspfortenweg
Distanz ↔9,1 km Aufstieg
8,1 km Abstieg
Höhendifferenz ↕1.270 hm (laut GPS Uhr)
Zeit3:45h Aufstieg
2:30h Abstieg
Bewertung (Himmelspforte – als Steig)Technik: ★★★★☆
Kondition: ★★★★☆
Erlebnis: ★★★★★
EinkehmöglichkeitSchutzhaus Himmelspforte und Hotel Schafbergspitze
Link zur TourBergfex

Meine Empfehlung: Die Himmelspforte ist eine sehr anstrengende aber auch lohnende Tour, die allerdings eine gesunde Selbsteinschätzung bezüglich Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Kondition, erfordert. Im Gegensatz zur Südseite bekommt man so auch Eindrücke von der schroffen Nordwand des Berges. Für den Abstieg würde ich die Zahnradbahn (zumindest ab der Mittelstation) empfehlen.

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