Das Schweizer Matterhorn (4.478m) ist das Abbild eines Berges. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass formschöne Berge in anderen Regionen diesen Beinamen bekommen, wie etwa der Mount Assiniboine (Matterhorn der Rockies) oder der Cimon della Pala (Matterhorn der Dolomiten).
Wir (Laura & Fabi) haben bei unserer letzten Urlaubsplanung Osttirol als Destination auserkoren und wollten schon länger unseren ersten Dreitausender besteigen. Welch Glück, dass diese Region 266 Berge dieser Höhe zu bieten hat. Und um wieder auf die Einleitung zurückzukommen, hat es uns das Matterhorn Osttirols besonders angetan – der Glödis. Ein 3.206m hoher Berg, welcher über eine Via Ferrata an dessen Südost-Grat erreichbar ist.
Sicherlich gibt es auch einfachere Gipfel, die wir uns als ersten Dreitausender aussuchen hätten können, aber einen so schönen konnten wir uns schwer entgehen lassen. Und mit unseren vorherigen Touren, wie beispielsweise dem Hochstuhl Klettersteig in den Kärtner Karawanken, haben wir uns gut auf ein solches Unterfangen vorbereiten können. Diese Vorbereitung hat es auch gebraucht, denn hier hat uns unsere bislang anstrengendste und längste Tour erwartet!
- Das Debanttal
- Lienzer Hütte
- Nationalpark Hohe Tauern – Wilde Wasser
- Der Weg ins Hochalpine
- Der Südostgrat
- Der Abstieg
- Tour Zusammenfassung
Das Debanttal
Osttirol ist geprägt von seinen weiten Tälern. So liegt hier das längste, in sich geschlossene Almtal Österreichs – das Debanttal. Zudem ist dies der Ausgangspunkt für unsere heutige Tour. Wobei für uns die Zufahrt gar nicht so einfach zu finden war, da uns das Navi zuerst über einen Wanderweg aus Debant nach Norden schicken wollte. Die richtige Zufahrt hatten wir schließlich von Nussdorf aus gefunden. Mit dem Auto folgen wir dem Bach auf einer überwiegend geschotterten Straße, bis wir nach etwa 35min Fahrzeit am Parkplatz Seichenbrunn angekommen sind. Von hier aus winkt auch schon die Gipfelpyramide des heutigen Ziels: der Glödis.


Es ist noch zeitig am Morgen, viel Zeit ist noch nicht vergangen, seitdem die ersten Sonnenstrahlen ihren Weg über den Kammrücken und ins Tal gefunden haben. Von der kühlen Nacht sind die Pflanzen noch voller Tau, welcher die Wärme der Sonne aufsaugt und als dünne Nebelschwaden in die Luft aufsteigt. In dieser herrlichen Atmosphäre starten wir also in unsere Tour, welche zu Beginn entlang einer Schotterstraße zur Lienzer Hütte führt.
Lienzer Hütte
Gut eine Stunde wandern wir neben dem Debantbach, vorbei an einigen Kuhherden, bis wir an der Lienzer Hütte auf 1.974m ankommen. Für eine Einkehr haben wir noch zu viel Weg vor uns. Die Lienzer Hütte bietet auch die Möglichkeit zur Übernachtung, wodurch sich die Tour auch etwas abkürzen lässt.

Wir wandern links an der Hütte vorbei und folgen einem kleinem Wäldchen, welches sich aber bald verläuft, da wir recht schnell die Baumgrenze erreichen. Latschen und Büsche übernehmen von nun an die Bewachsung links und rechts des steinigen Weges.

Nationalpark Hohe Tauern – Wilde Wasser
Nach und nach schwinden die Latschen und gehen in grüne Almwiesen über. Bislang sind wir lediglich zwei Trailrunnern, die uns überholt haben, und einer weiteren Kuhherde, die uns muhend gegrüßt hat, begegnet. Ein Schild weist uns darauf hin, dass wir die Grenze zur Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern überqueren und entsprechend unberührt sieht die Umgebung aus.


Bald darauf kommen wir auf eine der wenigen Weggabelungen. Der Abzweiger nach links würde Richtung Hochschober und der gleichnamigen Hütte führen, wir folgen dem Weg rechts, weiter Richtung Glödis. Nach einem kleinen Abstieg durch größeres Geröll erwartet uns ein großes, von saftig grünem Gras gesäumtes Flussbett, welches wir auf einer Holzbrücke überqueren. Da das Wasser von Karseen und Quellen entspringt, ist dieses glasklar. Auf der Brücke stehend hat man einen umwerfenden Blick zurück ins Debanttal. Dieser kombiniert mit der frischen Bergluft und dem Rauschen des Wassers machen diesen Platz für mich zu einem wahren Kraftort.

Für die etwas über 5 km bis hierher haben wir knapp 2 Stunden gebraucht, bis zum Gipfel steht uns mit 1.200hm allerdings noch ganz schön was bevor. Zum ersten Mal wird der Weg etwas steiler und wir folgen einem kleineren, wilden Bachlauf nach oben. Dennoch machen sich bei mir erste Zweifel breit, ob wir uns mit dieser Tour nicht übernommen haben.
Der Weg ins Hochalpine
Nach diesem Anstieg überqueren wir eine zweite Holzbrücke. Zwar bleibt das Gras neben den Bachläufen saftig grün, die Landschaft ringsum verändert sich aber stetig. Immer größer werden die Felsbrocken, die hier liegen und dazwischen verdrängen Schotterfelder die übrig gebliebenen Grasbüschel. An einer Querung des Bachlaufes, knapp unterhalb dessen Quelle, fülle ich nochmals meine Trinkflasche mit dem erfrischend kühlen Wasser auf, bevor ich mir den weiteren Weg über aus dem Wasser hervorragenden Felsen bahne.



Mittlerweile haben wir unseren Rythmus gefunden, Gehpassagen wechseln sich mit Querungen über Fels- und Schotterfelder ab. Der Weg ist an sich gut markiert, man muss aber immer wachsam bleiben und nach dem nächsten rot-weiß-rot bestrichenen Stein Ausschau halten, da man sonst schnell vom richtigen Pfad abkommen kann. So geht’s über 400hm nach oben, bis wir, nach einer weiteren Stunde Gehzeit, auf eine größere Wiesenfläche kommen. Neben uns ist das Gipfelkreuz des Debantgrats zu erkennen und hinter uns ragt der Hochschober auf. Wir nutzen diese Hochalpine Kulisse für unsere erste größere Pause, setzen uns ins Gras und genießen unser mitgebrachtes Essen.


Nach der Stärkung setzen wir unseren Weg durch das von nun an steinige Gelände fort. Wir schreiten über große Granitplatten, die von Eis und Geröll geschliffen wurden und kämpfen uns durch losen Schotter weiter nach oben. Immer noch begleiten mich Zweifel, ob wir die Tour schaffen, da der Gipfel nach wie vor, scheinbar unerreichbar über uns thront. Aufgrund der Höhe (wir sind über 2.500m) kommt auch noch ein weiterer Faktor hinzu, der mich etwas überrascht hat und den ich unterschätzt habe: Die Luft wird deutlich dünner. Bei uns beiden ist der Puls gestiegen und so flott und spritzig wie unten im Tal kommen wir nun nicht mehr voran.
Aber jammern hilft uns auch nicht weiter und so schnell wollen wir nicht umkehren. So gelangen wir schließlich, nach einer Gesamtzeit von 4h, zum Einstieg des Klettersteigs auf einer Höhe von 2.900m.
Der Südostgrat
Dieser Klettersteig wurde im Zuge einer Sanierung vor einigen Jahren entlang des Normalweges am Südostgrat des Berges eingezogen. Eingestuft ist er mit B, wobei eine Variante über eine Seilbrücke führt und diese eine mit C bewertete Stelle enthält. Wir legen also unsere Wanderstecken ab und schmeißen uns ins Klettersteiggeschirr. Da hinter uns schon ein paar Quellwolken durchs Debanttal ziehen, habe ich mich bei zwei Entgegenkommenden noch bezüglich der Aussicht am Gipfel erkundigt. Als Antwort gabs im ur-Osttiroler Dialekt: „Locht sche uma da Glockna“. Na bitte, da freut man sich auf den Aufstieg. So arbeiten wir uns die ersten Drahtseilabschnitte nach oben, immer entlang des Grates. Am Klettersteig kommen uns mehr Leute entgegen als entlang des gesamten Aufstiegsweges.






Der Steig selbst ist gut abgesichert und wird, meiner Meinung nach, seiner Bewertung gerecht. An der Seilbrücke bin ich kurz abgebogen, habe mich aber dann doch gegen die C Variante entschieden und wir sind diese Stelle umgangen. Nach etwa einer Stunde Klettersteig in beeindruckender Landschaft kommen wir endlich am Gipfel an – neben einem wunderschönen Gipfelkreuz belohnt dieser mit einem atemberaubenden 360° Rundumblick.
Gleich im Norden steht man sozusagen Face-to-Face mit „seiner Majestät“ – Österreichs höchstem Berg: dem Großglockner. Von hier betrachtet weiß man, warum er den Beinamen „der schwarze Berg“ trägt. Wenn man genau hinsieht, erkennt man auf seiner Flanke die Erzherzog Johann Hütte. Die auf der Adlersruhe gelegene Schutzhütte befindet sich auf 3.454m Höhe und ist damit die höchste Österreichs. Die Tauern reichen weiter nach Westen, bis hin zu dem schneebedeckten Gipfel der „weltalten Majestät“: dem Großvenediger. All die Anstrengung ist für einen Moment vergessen und die Gedanken verlieren sich in einem unendlich weit wirkendem Bergpanorama. Und wieder einmal wird man daran erinnert, wie klein man angesichts dieser beständigen Riesen doch ist.




Der Abstieg
Der Abstieg erfolgt auf dem selben Weg wie der Aufstieg. Und zugegeben, einen Klettersteig runter zu gehen, bedarf einer kurzen Umgewöhnung. Schnell hat man aber die Technik raus und so arbeiten wir uns Stück für Stück wieder hinunter. Am Beginn der Via Ferrata angekommen, tauschen wir Klettersteigausrüstung gegen Wanderstecken und beginnen den weiten Fußmarsch ins Tal.
Besonders im oberen Teil sollte man aufpassen, nicht im „Autopilot“ runterzulaufen, auch wenn das aufgrund der Tourlänge nicht so einfach ist. Ansonsten kann man schnell vom Weg abkommen und seine Schritte sollte man stets mit Bedacht wählen, um in all dem Schotter nicht auf wacklige Steine zu steigen. Für uns hat sich der Abschnitt zwischen der ersten Holzbrücke und der Lienzer Hütte noch eine gefühlte Ewigkeit hingezogen. Die Stimmung im Tal ist mittlerweile eine ganz andere als in der Früh und die Sonne nähert sich immer mehr dem Kamm im Südwesten des Tals. Die Lienzer Hütte ist noch gut besucht als wir an ihr vorbeikommen und die Forststraße Richtung Parkplatz nehmen.
Schlussendlich sind wir nach fast 10 Stunden wieder zurück beim Auto und verlassen das Debanttal erschöpft, aber glücklich über unsere Leistung. Voller Stolz werfen wir nochmal einen Blick zurück, wo uns „unser“ erster Dreitausender nochmal zum Abschied grüßt.

Tour Zusammenfassung
| Gebirge | Schobergruppe |
| Berg | Glödis (3.206m) |
| Distanz ↔ | 18 km |
| Höhendiffernz ↕ | 1.560m |
| Zeit | 10:00 h (inklusive aller Pausen) |
| Klettersteig | B (Var. C) |
| Bewertung | Kondition: ★★★★★ Technik: ★★★☆☆ Landschaft: ★★★★★ Gesamterlebnis: ★★★★★ |
| Link zur Tour | bergsteigen.com bergfex.at |
Der Glödis ist eine Tour die es ganz schön in sich hat. In Bergfex wird diese sogar als Hochtour mit Schwierigkeit schwer bewertet! Der Klettersteig selbst ist zwar technisch nicht sehr anspruchsvoll, aufgrund der Ausgesetztheit, Höhenlage (dünne Luft) und dem langem Zustieg (4:00h) aber nicht zu unterschätzen. Gute Kondition ist ein muss, da man mit 8 bis 10 Stunden Gesamtzeit rechnen kann.
Belohnt wird man wiederum mit einem herrlichen Klettersteig, einem wenig frequentierten Gipfel und atemberaubenden Bergpanorama.


