Der diesjährige Sommerurlaub hat uns (Laura & Fabi) nach Südtirol – genauer gesagt auf die Seiseralm – verschlagen. Deren sanfte, satt grüne Almwiesen, die von vielen bunten Blumen geziert werden, stehen im krassen Kontrast zu den hellen und scharfkantigen Felsformationen der zahlreichen Dolomitengipfel, die das Hochplateau umgeben und überragen. Neben dem Schlern, dem Wahrzeichen Südtirols, sind wohl Lang- und Plattkofel die prägendsten Gipfel. Und da letzterer als mittelschwere Wanderung beschrieben wird, ist er auch unser heutiges Ziel, welches uns allerdings unsere Grenzen aufzeigen sollte.
- Die Seiseralm
- Plattkofelhütte
- Der Plattkofel
- Umkehr am Berg
- Der Abstieg
- Variante über die Murmeltierhütte
- Zusammenfassung der Tour
Die Seiseralm
Das Hochplateau der Seiseralm, welche Europas größte Hochalm ist, bildet den Ausgangspunkt der heutigen Tour. Da wir unser Quartier ohnehin hier oben bezogen haben, können wir bequem mit dem Rad starten. Ansonsten bildet Compatsch den Ausgangspunkt, von wo aus man zu Fuß, mit dem Rad oder per Wanderbus nach Saltria gelangt. Der Plattkofel ist bereits die meiste Zeit des Weges im Blickfeld.

In Saltria angelangt befindet man sich auf etwa 1.670m Seehöhe – und von hier aus beginnt erst der richtige Anstieg. Entweder man folgt dem Wanderweg 7A oder kürzt den Aufstieg etwas ab, indem man den Williamslift nimmt, der einem etwa 300hm erspart. Mit dem Rad könnte man auch über den Wanderweg 9, welcher auch als MTB Weg dient, bis zur Zallinger Hütte fahren und von dort aus weiter wandern.
Aufgrund des intensiven Programms der Vortage und des langen Aufstiegs, entschließen wir uns die Räder beim Lift abzustellen und nutzen diesen als schnelle Aufstiegshilfe.
Plattkofelhütte
Unabhängig, für welche Aufstiegsvariante (Wandern, Bike oder Lift) man sich entschließt ist das erste Etappenziel die Plattkofelhütte, welche sich auf beinahe 2.300m Höhe befindet. Der Weg dorthin ist eine Schotterstraße, die durchgehend steil nach oben führt. Von der Bergstation des Liftes haben wir hierher etwa 40 Minuten gebraucht.


An der Hütte angelangt, zweigt man, den Wegweisern folgend, nach links auf den Weg 527 ab und befindet sich am Fuße des Plattkofels.
Der Plattkofel
Nach den Bäumen und kleinen Wäldern der Seiseralm sind wir bereits über die Baumgrenze gelangt, wobei wir durch blühende Almwiesen und neben einer Schafweide wandern. Das Zwitschern der Vögel wird hier durch Murmeltier-Pfiffe abgelöst, welche trotz ihrer Lautstärke aber schwer auszumachen sind. Wer aufmerksam das Gelände absucht, wird hier aber auf der Suche nach den Nagern fündig werden.


Die Almwiesen werden nach und nach durch steinigeren Untergrund abgelöst, welcher mit Schmelzwasserbächen durchzogen ist. Der Weg ist gut ersichtlich und befestigt, wodurch wir hier rasch vorankommen. Mit jedem Höhenmeter öffnet sich die Aussicht über die Seiseralm ein Stück mehr und das Panorama über die umliegenden Bergspitzen wird immer mächtiger. Im Südosten blickt nun auch die vergletscherte, weiße Nordseite der Marmolada – der Königin der Dolomiten – hervor.

So schlängelt sich der Weg durch die durchgehend steile Flanke des Plattkofels, großteils mit Steinen und Schotter, die im und neben dem Weg liegen, aber auch über Felsen oder durch einen kleinen Riss im Gestein hindurch. Der Weg ist meist gut markiert, man sollte allerdings nicht unaufmerksam bleiben, da man sonst auch schnell ins geröllige Gelände abkommen kann. Auch Schneefelder gibt es zu kreuzen, die eine kleine Abweichung vom Normalweg mit sich bringen. Allerdings sind in diesen bereits Fußabdrücke vorhanden, wodurch ein leichtes Queren gegeben ist.



Nach etwa 2 Stunden Gehzeit passieren wir einen großen, aufgeschütteten Geröllhaufen, von wo aus der Weg – ein letztes mal in gut ausgebauter Form – in östlicher Richtung den Hang quert. Man nähert sich dem Gipfel von Süden bzw. über den Südost Grat. Dort gelangt man in sehr steiles und felsiges Gelände mit viel losem Geröll. Die Wegmarkierungen sind schwerer auszumachen, da nun am Boden verteilt, und steile Schneefelder, die es zu queren gilt, machen den Anstieg zu einer Bergtour anstatt einer technisch leichten Wanderung.


Umkehr am Berg
Ein Stück weit kämpfen wir uns noch nach oben, arbeiten uns über die Schrofen und durch Schneefelder. Durch das schwere Gelände verlassen wir immer weiter unsere Komfortzone und so kommt das Gespräch zur möglichen Umkehr auf. Wir sprechen noch mit einem Entgegenkommenden über das weitere Gelände und probieren es noch ein paar Höhenmeter weiter. Wir sind hin- und hergerissen zwischen einem Gipfelsieg auf der einen und dem schwierigen Gelände auf der anderen Seite. Schlussendlich entschließen wir uns schweren Herzens 70hm unter dem Gipfel zur Umkehr.
„Das Ziel ist nicht der Gipfel, sondern das Ziel ist daheim. Man will und muss wieder heimkommen.“
Hanspeter Eisendle
Das obige Zitat entstammt einem berühmten Südtiroler Bergführer. Zugegebenermaßen ist er wohl auf etwas extremeren Touren unterwegs als wir – das Empfinden und Können am Berg ist aber immer eine subjektive Angelegenheit. Die Umkehr ist in einem solchen Moment keine leichte Entscheidung und sicherlich kein angenehmes Gefühl. Ungeachtet, ob man als Freizeitwanderer, Bergführer oder Alpinprofi unterwegs ist, sollte allerdings ein Gipfelerfolg nie der sicheren Heimkehr aller Gruppenteilnehmer vorgezogen werden.
Der Abstieg
Auch am Anfang des Abstiegs denken wir noch wehmütig an den „verpassten“ Gipfel. Wir folgen dem selben Weg, den wir für den Aufstieg genutzt haben, queren wiederum die Schneefelder und kraxeln über die Felsen hinab. Wir bleiben schließlich am Beginn der ersten blumenüberzogenen Wiese sitzen und packen dort unsere verdiente Jause aus.

Angesichts dieses grandiosen Panoramas verblasst der Gipfel und wir fühlen uns angekommen in dieser gigantischen Bergwelt. Die grünen Wiesen und Wälder der Seiseralm stehen im krassen Kontrast zu den hellen Felsen von Rosengarten und Schlern. Schlussendlich gelangen wir für uns zu der Erkenntnis: nicht der Gipfel ist das Ziel einer gelungen Bergtour, sondern das Eintauchen in eine Anderswelt, die uns diese Naturriesen bieten, und uns damit die Nichtigkeit der Alltagsprobleme aufzeigen.



Mit diesem guten Gefühl setzen wir den Abstieg zur Plattkofelhütte fort, die wir nach insgesamt 4 Stunden Gehzeit erreichen.
Variante über die Murmeltierhütte

Von hier aus kann man der Forststraße zum Ausgangspunkt folgen. Wir empfehlen aber den Umweg über die Murmeltierhütte, welcher rechts vor der ersten Spitzkehre abzeigt.
Dieser bietet noch einen grandiosen Überblick über die Seiseralm und die Einkehrmöglichkeit an der Murmeltierhütte.
Ein Holzsteg führt dann über eine bunte Almwiese zurück zur Forststraße und damit zum Ausgangspunkt der Tour.
Zusammenfassung der Tour
| Gebirge | Dolomiten |
| Ziel | Plattkofel (2.958m) |
| Distanz ↔ | 10,3 km |
| Höhendifferenz ↕ | 900 hm |
| Zeit | 5:30h Gehzeit (über Variante Murmeltierhütte) |
| Bewertung | Kondition: ★★★★☆ Technik: ★★★★☆ Landschaft: ★★★★★ Gesamterlebnis: ★★★★★ |
| Einkehrmöglichkeiten | Plattkofelhütte Murmeltierhütte |
| Link zur Tour | Komoot |
Eine wunderschöne Bergtour in den Dolomiten, die einen grandiosen Blick über Seiseralm und Rosengarten bis hin zur Marmolada bietet. Gute Kondition und Trittsicherheit sind ein Muss. Die Einstufung als T2 Wanderweg ist meiner Meinung nach nicht zutreffend – der obere Teil, insbesondere mit Schneefeldern, ist eher als T3+ zu sehen.


